Hier finden Sie einige Hintergrundinformationen zum Thema Diabetes. Insbesondere die Frage, was unterscheidet Typ1 von Typ2 und was bedeutet Diabetes Typ 1 für die Kinder?
I. Was ist Diabetes mellitus?
Der Diabetes mellitus lat.= „honigsüßer Durchfluß“ (mellitus=honigsüß), auch Zuckerkrankheit genannt, ist eine chronische Stoffwechselkrankheit, bei der das Hormon Insulin nicht mehr oder nicht in erforderlichem Maße in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet wird bzw. nicht entsprechend zur Wirkung kommt. Das Hauptkennzeichen der Zuckerkrankheit sind langanhaltend hohe Blutzucker-Werte (BZ). Normwerte im nüchternen Zustand: 60 – 110mg/dl.
Es gibt mehrere Formen des Diabetes mellitus. Die Einteilung erfolgte durch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) und seit 2000 gilt folgende:
- Typ 1 Diabetes mellitus: absoluter Insulinmangel aufgrund meist autoimmunologisch bedingter Zerstörung der Inselzellen der Bauchspeicheldrüse. Typ 1a: Immunologisch vermittelte Form, Typ 1b: Idiopathische Form (d.h. ohne erkennbare Ursachen). Manifestation im Kinder-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter.
- Typ 2 Diabetes mellitus: relativer Insulinmangel mit Insulinresistenz, d.h. die Insulinempfindlichkeit der Zielzellen (siehe Abbildung IV.) ist vermindert und die Insulinsekretion nach einer Mahlzeit häufig zeitlich verzögert. Die Manifestation der Erkrankung hängt von exogenen Faktoren wie z.B. die Art der Ernährung und Übergewicht ab.
- (Typ 3 Diabetes mellitus: alle anderen spezifischen Formen)
- (Typ 4 Diabetes mellitus: Schwangerschaftsdiabetes)
II. Unterscheidung von Typ-1- und Typ-2-Diabetes
| Typ 1 | Typ 2 |
Beginn | Schnell (Stunden bis Wochen) Starker Durst, vieles Wasserlassen, Übelkeit, Schwäche, Gewichtsverlust, oft auch Koma als Erstmanifestation | Langsam (Monate bis Jahre) Zum Zeitpunkt der Diagnose oft bereits Langzeitschäden |
Ursache | Absoluter Insulinmangel: Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen (z.B. durch Infekt oder Autoimmunprozess) | Relativer Insulinmangel: Nachlassende Insulinproduktion Insulinwirkung verringert (Übergewicht, mangelnde Bewegung, bestimmte Medikamente fördern das Manifestationsrisiko) |
Alter | Meist unter 40 | Meist im höheren Lebensalter |
Gewicht | normal | Übergewichtig (>80%) |
Therapie | Insulin Diät Bewegung | Gewichtsabnahme u. Bewegung Diätetische Ernährung Orale Antidiabetika oder Insulin |
Erbliche Komponente | wahrscheinlich | Stärker ausgeprägt als beim Typ-1 |
III. Was ist Typ-1-Diabetes?
Der Diabetes mellitus Typ 1 manifestiert sich im Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter. Er wird überwiegend den Autoimmunerkrankungen zugerechnet, obwohl die genaue Ursache noch unklar ist. Wahrscheinlich wird die pathologische (krankhafte) Immunreaktion durch Virusinfekte (z.B. Mumps, Grippe o.ä.) in Gang gesetzt oder beschleunigt. Genetische Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle.
Erst wenn 80 – 90% der sog. B-Zellen (insulinproduzierende Zellen) in der Bauchspeicheldrüse zerstört sind, wird die Erkrankung klinisch manifest, d.h. erkennbar und unausweichlich. Allerdings werden im Laufe der Zeit auch die noch aktiven Zellen komplett zerstört.
Das klinische Bild des Typ-1-Diabetes entwickelt sich rasch über Stunden bis Wochen:
- Durch die erhöhte Zuckerausscheidung mit dem Urin kommt es zu einer Polyurie (stark vermehrte Urinausscheidung). Obwohl der Betroffene durch das damit ausgelöste Durstgefühl sehr viel trinkt, kann er den Flüssigkeitsverlust nicht ausgleichen. Ab einem Blutzuckerwert von 180 mg/dl schafft es die Niere nicht mehr, die filtrierte Glukose im Urin zu resorbieren und ins Blut zurückzuführen. Folglich findet man Glukose im Urin, das durch einfache Streifentests nachgewiesen werden kann.
- Viele Betroffene nehmen an Gewicht ab. Ursache dafür ist, dass Insulin normalerweise Körperfett aufbaut und das Fett in den Depots erhält. Ist kein, oder zu wenig Insulin vorhanden, wird Körperfett abgebaut.
- Die zunehmende Stoffwechselentgleisung führt zu Übelkeit, Schwäche und Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma (bei Bewusstlosen weisen vertiefte Atmung und Azetongeruch der Atemluft auf ein sog. diabetisches Koma hin) In diesen Fällen ist sofort ein Notarzt zu rufen!
IV. Zielorgane und Wirkung des Insulins

Darstellung: Petra Winter
Insulin ist das zentrale Regulationshormon für den gesamten Intermediärstoffwechsel und reguliert die Speicherung und Verwertung von Kohlehydraten, Fetten und Proteinen. Somit erstreckt sich der aktive Wirkungsbereich des Insulins auf die drei Zielgewebe Leber, Fettgewebe und Skelettmuskeln.
Das Therapieziel beim meist jungen Typ-1-Diabetiker ist immer ein möglichst normaler Blutzucker, um Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit wiederherzustellen und Langzeitschäden vorzubeugen. Erstrebenswert ist außerdem eine größtmögliche Flexibilität bei der Nahrungsaufnahme, um ihm ein weitgehend normales Leben in Schule, Beruf und Freizeit zu ermöglichen. Hinzu kommt eine gewisse verantwortungsvolle Selbständigkeit bei den kleineren Betroffenen.
Durch Klinik, betreuende Diabetologen und Selbsthilfegruppen muss der Betroffene darauf vorbereitet werden, dass der Typ-1-Diabetes lebenslanges (!) Spritzen von Insulin und Blutzuckerkontrollen erfordert.
Die Art der Insulinbehandlung ist abhängig von der Schwere der Erkrankung und von Alter, Persönlichkeit und Kooperationsfähigkeit der Betroffenen uns meist auch der Angehörigen.
V. Komplikationen

Für nicht geschulte Personen: Bei bekanntem Diabetes einer sich auffällig verhaltenden Person ist die Gabe von Traubenzucker+ (mind. 4 Blättchen „DextroEnergen“)die erste Handlung nach dem Notarztruf!! Bei einer evtl. bestehenden Überzuckerung schadet die geringe Glukosemenge bis zum Eintreffen des Notarztes nicht, allerdings wäre die Gabe von Insulin bei einer Unterzuckerung tödlich!
Bei Auffinden einer bereits bewusstlosen Person sollte auf den Traubenzucker verzichtet werden, da Erstickungsgefahr besteht. Der Traubenzucker muss, um gut wirken zu können, geschluckt werden. Auch ein Glas Cola oder Apfelsaft sind hilfreich. In diesem Fall ist bis zum Eintreffen des Notarztes die stabile Seitenlagerung des Betroffenen wichtig
VI. Spätfolgen
Nicht nur die akuten Entgleisungen gefährden den Diabetiker, sondern auch die Langzeitschäden durch erhöhte Blutzuckerspiegel. Bei einem schlecht eingestellten erwachsenen Diabetikern treten die ersten Spätschäden schon nach 5 bis 10 Jahren auf. Gute Stoffwechselführung vermag die Manifestation der Komplikationen wesentlich zu verzögern. Bisher ist es aber nicht möglich, diese zu verhindern. | 
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| Bild Nr. 1 Diabetische Gangrän („fressendes Geschwür“), schmerzloser Befund, Großzehe |
Sie betreffen vor allem die arteriellen Gefäße und damit fast alle Organe. Hier sind nur einige genannt: Arteriosklerotische Nieren- und Augenschäden Nervenschädigung(Polyneuropathie) mit Sensibilitätsstörungen, Schmerzen, Lähmungen Sog. diabetischer Fuß, aufgrund der schlechten Durchblutung, Infektneigung etc. |  |
| | Bild Nr. 2 Polyneuropathie, Hautveränderungen mit Ulkus (Geschwür) bei diabetischer Polyneuropathie |
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| | Bild Nr. 3 Trockene Gangrän der Ferse |
| | Bilder siehe Quellennachweis |
VII. Quellenverzeichnis
1. „Pflege heute“ Urban und Fischer, 1. Ausgabe September 1997, Diabetes mellitus
2. Wikipedia, Stichwort: Diabetes mellitus
2. Wikipedia, Stichwort: Insulinwirkung Diabetes mellitus
3. Bilder mit Text: Nr. 1 „Psychrembel“ 257. Auflage Stichwort: Gangrän, Bild Nr. 2 „Psychrembel“ 257. Auflage Stichwort: Polyneuropathie, Bild Nr. 3 „Pflege heute“ 1. Auflage